Posted by on 19. Februar 2026

Die Zeit, in der Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie, wie sie wissenschaftlich heißt, als Alternativmedizin bezeichnet wird sollte endgültig der Vergangenheit angehören. Sie hat nichts gemein mit der Homöopathie, der Bioenergetik, der Bach-Blütentherapie oder anderen nicht wissenschaftlichen „ganzheitlichen“ Behandlungsversuchen.

Vor- und Nachteile der Pflanzenheilkunde

Die Pflanzen, die in einer verantwortungsvollen Phytotherapie verwendet werden, werden größtenteils in Monographien im Arzneimittelbuch geführt. Sie haben eine nachgewiesene, heilende Wirkung. Sie haben keine oder vernachlässigenswerte Nebenwirkungen, sie haben zusätzlich zur Hauptwirkung stärkende Begleitwirkungen, sie haben keine Gewöhnungseffekte.
So viel zu ihren Vorteilen.

Was Pflanzen nicht können ist schnell wirken. und das schränkt sie in ihrer Verwendung bei akut lebensbedrohlichen Zuständen ein und jeder verantwortungsvolle Tierarzt wird eine Lungenentzündung nicht alleine mit Thymian behandeln. Oder eine Gebärmutterentzündung mit Schafgarbe. Hier können Pflanzen immer nur unterstützend wirken.

Aber für fast alles, was uns so drückt und ziept, für alles was uns so gewöhnlich mal krank macht ist ein Kraut gewachsen. Und noch schöner, es ist für alles, was uns stark macht, was Phytotherapy, was uns gesund hält ein Kraut gewachsen. Die Pflanzenheilkunde wirkt bei Magen-Darm-Infektionen, bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit, bei Wunden und Wundinfektionen. Sogar bei nervösen, psychischen, psychosomatischen Erkrankungen, bei chronischen Schmerzen wie Arthrose und Arthritis, bei Harnwegsinfekten, bei Alterszipperlein und bei Hauterkrankungen.

Wer profitiert am meisten von der Pflanzenheilkunde?

Von Vorteil ist die Pflanzentherapie vor allem bei chronisch kranken Patienten. Denn hier kann sie alle Vorteile, die sie hat ausspielen. Chronische Schmerzpatienten leiden häufig unter den Nebenwirkungen der Schmerzmittel, oder müssen Medikamente nehmen, z.B. Omeprazol oder Pantopraozol, die ihrerseits jede Menge Nebenwirkungen haben.
Pflanzliche Schmerzmittel haben keine Nebenwirkungen, denn in Kombination mit Kamille, die ihrerseits als Schmerzmittel und zur Entspannung dient, treten keine Nebenwirkungen auf. Es gibt sogar Pflanzen, die zur Therapie von Magengeschwüren eingesetzt werden und gleichzeitig Salicin als Schmerzmittel enthalten.

Zusätzlich lassen pflanzliche Präparate auch nach langem Einsatz in ihrer Wirkung nicht nach. Es gibt also keine Gewöhnungseffekte, wie bei chemischen Präparaten.

Deshalb eignen sie sich auch ausgezeichnet zur Prophylaxe, also zur Vorbeugung von Krankheiten. Hier ist gegen Mischungen mit vielen Heilpflanzen (bis zu 10) nichts einzuwenden. Schließlich therapiere ich ja nichts, sondern will meinem Tier möglichst viele verschiedene hilfreiche Pflanzenstoffe zukommen lassen.

Pflanzenheilkunde statt chemischer Medikamente

All diese Vorteile sollten doch allmählich auch die größten Zweifler davon überzeugen, dass Pflanzen und pflanzlichen Präparate ein sehr alter Teil unserer Schulmedizin sind. Und sie haben nichts mit Hokus-Pokus zu tun, wie leider viele andere „ganzheitliche“ Quacksalbereien.

Gerade weil Pflanzen eben doch eine Wirkung haben, gehören sich nicht in die Hände von Laien oder Firmen, die sich – ohne die entsprechende Voruntersuchung der Tiere – ihr Geld mit dem „Pflanzenboom“ verdienen möchten. Und auch an die Tierbesitzer möchte ich diesen Apell richten. Es ist nicht egal, ob sie Kamille für den Magen geben oder Lavendel. Außerdem sollten auch nicht 20 Heilpflanzen in eine Mischung gepackt werden, nur weil man nicht weiß, wofür diese Pflanzen eingesetzt werden und welche Grunderkrankung vorliegt. Denn einen gewissen Wirkstoffspiegel muss man auch mit Pflanzen erreichen.

Weniger ist mehr

Heilpflanzenmischungen mit mehr als 3 Kräutern sind nichts anderes als ein Kräutertee, eine Verlegenheitsmischung, weil man eben nicht weiß, was man tut. Am schlimmsten finde ich persönlich immer die Mischung „Magen-Darm-Kräuter“. Was will man nun therapieren, den Magen oder den Darm? Den Dickdarm oder den Dünndarm? Verstopfung oder Kotwasser? Zu wenig oder zu viel Darmmotilität? Inappetenz oder zu viel Futteraufnahme? Denn das sind gegenteilige Erkrankungen und für jedes dieser Probleme braucht man andere Heilpflanzen.
Wie man sieht gibt es „die“ Mischung „Magen-Darm-Kräuter also nicht, außer in der Prophylaxe.

Ich hoffe ich konnte erklären, warum es Sinn macht, mit einem in Pflanzenheilkunde erfahrenem Tierarzt zusammen zu arbeiten. Und nein, unsere Kräuter sind nicht viel teurer, als die der einschlägigen Firmen auf dem Markt. Unser Rat ist teurer, aber guter Rat ist meistens teuer. Und ehrlich gesagt bin ich die letzte, die mit der Gebührenordnung für Tierärzte in ihrer jetzigen Form zufrieden ist.
Wir sind dazu da, Tieren zu helfen. Nicht auf Kosten der Tiere in Saus und Braus zu leben, uns ein teures diagnostisches Gerät nach dem anderen zu kaufen und den Tieren Leid und keine Behandlung zu geben, deren Besitzer sich keine Tierarztrechnungen von 600 € oder mehr leisten können. Ich hoffe, dass sich hier bald etwas ändert.

Zwischenmenschliches Defizit macht Behandlung teuer

Allerdings muss sich dann auch bei den Tierärzten und Besitzern etwas ändern. Als Tierarzt brauche nur in wenigen Fällen ein Röntgenbild oder ein Ultraschallbild. Eine Arthrose erkennt man an der Art der Bewegungseinschränkung des Gelenks. Den Stand des Hufbeins in der Hornkapsel an den ersten 1-2 cm des Hufhorns unter dem Saum und der Abweichung der Zehenwand, den Ort der Verletzung mithilfe von Leitungsanänsthesien oder vorsichtigen Bewegungen und dem Gefühl. Und das Bild ändert meist weder etwas an der Diagnose, noch an der Therapie. Allerdings ist der Patientenbesitzer, der unbedingt ein Bild haben möchte, weil er es selber sehen möchte. Oder wir machen die Bilder, um uns rechtlich abzusichern, weil wir es müssen.

Es dient aber meist weder dem Patienten, noch in den allermeisten Fällen einer guten Therapie. Es macht es nur für den Besitzer teuer, weil wir teure Geräte bei der Bank abbezahlen müssen. Dies mal zum drüber nachdenken.

Auch hier liegt in einer Therapie mit Pflanzen eine große Chance. Heilen mit Pflanzen benötigt mehr Sorgfalt, mehr Zeit und eine gute Beziehung zwischen Tierarzt, Patient und Patientenbesitzer. Häufig stellen wir unsere Therapeutika oder besser Botanicals selber her und wissen genau, was in ihnen steckt und vor allem, was nicht.
Und dies gilt es, dem Tierbesitzer zu vermitteln. Wir müssen mit den Tieren und ihren Besitzern arbeiten und nicht gegen die Zeit und für einen möglichst hohen Verdienst.

Denn bei der pflanzlichen Tiermedizin geht es um Vertrauen und um ein fruchtbares Miteinander und weniger um eine schnelle und teure Gerätemedizin.

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